Über Vögel, Räume und Zugehörigkeit

Myriam Kammerlander

Freiraum nach dem Studium

Nach dem Abschluss ihres Masterstudiums in Umweltethik kam Myriam Kammerlander in die Eremitage mit dem Wunsch nach Freiraum. Neben Studium, freiberuflicher Arbeit in den Bereichen Umweltbildung und Musik sowie verschiedenen künstlerischen Kooperationen war in den vergangenen Jahren wenig Platz für das Sinnliche und absichtslos Kreative geblieben. Die Zeit auf dem Rietzer Berg sollte deshalb dem Schreiben, der Musik und dem bewussten Erleben des Ortes gehören.

Die Vögel übernehmen das Thema

Eigentlich wollte sie ein Kompositionsprojekt mit Harfe und Poesie entwickeln und sich verschiedenen Themen rund um Prozesse und Beziehungen in der Natur widmen. Doch schon bald rückten die Hausrotschwänzchen in den Mittelpunkt ihres Aufenthalts und ins Zentrum ihrer täglichen Schreibpraxis. Sie hatten direkt am Ausgang zur Terrasse genistet und machten Fragen erfahrbar, die Myriam schon lange beschäftigen: Wo ist mein Raum? Wie lässt sich ein Zusammenleben zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Lebewesen gestalten, das für alle gut ist? Wem ‚gehört‘ eigentlich Landschaft?

Aus dem anfänglichen Nutzungskonflikt entwickelte sich mit der Zeit ein Miteinander. Die Terrasse wurde geteilt, Rücksicht genommen und schließlich durfte sie sogar das Ausfliegen der Jungvögel miterleben.

Schreiben und unterwegs sein

Während ihres Aufenthalts schrieb Myriam drei Kurzgeschichten, fertigte Skizzen an und sammelte zahlreiche Ideen für zukünftige Projekte. Viele Gedanken entstanden auf ihren Fahrradtouren durch die Umgebung, oft in Form von Gedichten. Perspektivisch möchte sie ihre Interessen an Nature Writing und Umweltethik stärker miteinander verbinden.

Musik und Muße

Auch musikalisch nutzte sie die Zeit intensiv. Ohne Produktionsdruck konnte sie sich ganz auf ihr Harfenspiel konzentrieren, entwickelte dabei nicht nur neue Freude am Musizieren, sondern auch ihre Technik weiter und genoss vor allem die Klangfülle, die sich zwischen Harfe und Draußen ergab.

Für Myriam wurde die Eremitage zu einem Ort der Verlangsamung und der Aufmerksamkeit – und zu einer Erinnerung daran, dass Kreativität für sie aus dem Zusammenspiel von Rückzug, Natur und Begegnung entsteht.