Zwischen Naturbeobachtung und Sprachspiel

Tim Tensfeld

Schreiben aus dem Moment heraus

Mit einem klaren Vorhaben kam Tim Tensfeld in die Eremitage auf dem Rietzer Berg: Für seinen geplanten Gedichtband fehlten noch einige Texte. Die Zeit der Abgeschiedenheit nutzte er intensiv und erfolgreich – während seines Aufenthalts entstanden zehn bis fünfzehn fertige Gedichte und Haikus.
Dabei gehört Tim nicht zu den Autoren mit festen Schreibroutinen. Er bezeichnet sich selbst als Vielschreiber und intuitiven Schreiber. Ideen entstehen spontan aus dem Moment heraus – manchmal genügt bereits ein kleiner Gegenstand oder eine beiläufige Beobachtung, um einen neuen Text anzustoßen. Deshalb hat er stets etwas zum Schreiben dabei.

Eine neue Erfahrung

Das ländliche Leben ist Tim Tensfeld vertraut, die besondere Einsamkeit der Eremitage jedoch war für ihn etwas Neues. Vor allem nachts sorgten ungewohnte Geräusche für Aufmerksamkeit – ebenso wie seine nicht ganz unproblematische Beziehung zu Spinnen. Zugleich empfand er die zeitweise mediale Unerreichbarkeit als bereichernde Erfahrung. Die Ruhe und die Distanz zum Alltag schufen Raum für Konzentration und neue Gedanken.

Verdichtete Sprache mit Naturbezug

Die Natur spielt in Tims Texten eine wichtige Rolle. Fast alle seine Gedichte greifen Naturbeobachtungen oder Landschaftseindrücke auf. Dabei schreibt er kurz und prägnant und verdichtet seine Texte gern.
Seine Lyrik ist oft experimentell. Er spielt mit Sprache und Lesefluss und fordert seine Leserinnen und Leser dazu auf, genau hinzusehen und Texte mehrfach zu lesen. Nicht die schnelle Verständlichkeit, sondern die Entdeckung neuer Bedeutungsebenen steht dabei im Vordergrund.

Vom Hobby zur Veröffentlichung

Zum Schreiben kam Tim Tensfeld bereits mit 15 Jahren, nachdem seine Eltern ihn ermutigt hatten, sich ein Hobby zu suchen. Aus der spontanen Idee wurde eine Leidenschaft, der er als Jugendlicher einen Großteil seiner Freizeit widmete.
Heute arbeitet der gelernte Erzieher hauptberuflich in seinem Beruf und schreibt weiterhin aus Freude und Überzeugung. Das Schreiben als Erwerbstätigkeit würde ihm zu viel Druck erzeugen, sagt er selbst. Die Freiheit, nur dann zu schreiben, wenn eine Idee entsteht, ist ihm wichtig.
Sein großer Traum war lange Zeit eine Veröffentlichung. Nach zahlreichen Einsendungen gelang ihm mit 22 Jahren der erste Erfolg. Mit seiner ersten Buchveröffentlichung „muschelscherbensterben.“ 2025 erfüllte er sich seinen Lebenstraum. Aktuell arbeitet er neben seinem Gedichtband außerdem an einem Kinderbuch.

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