Wo der Roman den letzten Schliff bekam

Chrizzi Heinen

Gerne hätte die Schriftstellerin Chrizzi Heinen schon in einem früheren Prozess ihres Romans eine Zeit in der Kunst-Eremitage auf dem Rietzer Berg verbracht. Dann hätte sie inhaltlich mehr davon in ihre Geschichte einfließen lassen. Vielleicht einen Esel, einen Garten oder eine Laufente. Aber der Roman war bereits abgeschlossen und so konnte sie sich in ihrer Zeit auf dem Rietzer Berg dem Feinlektorat widmen und dem Roman hochkonzentriert den letzten Schliff geben.

Abgeschieden und hochkonzentriert

Die Eremitage bot ihr etwas, das im Alltag schwer zu finden ist: ungestörte Konzentration. Normalerweise arbeitet Chrizzi häufig in Bibliotheken, lässt sich dort aber immer wieder ablenken. Auf dem Rietzer Berg konnte sie die Außenwelt weitgehend ausblenden.
Die Autorin aus Berlin hat ihre Zeit effizient genutzt, hat strukturiert gearbeitet und ist meist erst abends nach einem vollen Arbeitstag rausgegangen, um die Umgebung zu erkunden. Dabei hat sie das Ansinnen der Eremitage – sich zurückzuziehen und Abstand zum Alltag zu gewinnen – konsequent umgesetzt und war die meiste Zeit ohne Internet und Kommunikation.

Lesen, schreiben und die Natur entdecken

Neben dem eigenen Schreiben bekam in der Eremitage auch das Lesen ungewöhnlich viel Raum. Die mitgebrachten Bücher wurden nach der konzentrierten Arbeit zu einer wichtigen Beschäftigung – fast wie ein Suchtmittel, erzählt Chrizzi.
Auch die Natur wurde Teil ihres Aufenthalts. Im Garten erntete sie Gemüse für ihre Mahlzeiten. Bei ihren Spaziergängen entdeckte sie Mirabellen und besonders die Aroniabeeren, die es ihr angetan hatten.
Chrizzi schrieb schon als Kind und wollte früh Schriftstellerin werden. Sie hat an der Universität Oldenburg gelehrt und geforscht, hat in Musikwissenschaften promoviert und arbeitet als Autorin und Künstlerin. Außerdem hat sie den Vakant Verlag für imaginäre Literatur gegründet.