Vergessene Orte, Majorelle-Blau und eine magische Begegnung
Sabine Beyerle
Ankommen und loslassen
Als Sabine Beyerle für eine Woche in die Kunst-Eremitage auf dem Rietzer Berg kam, hatte sie einen klaren Plan: Sie wollte nicht einfach weiterarbeiten wie sonst. Die Berliner Künstlerin malt normalerweise mit Öl auf Leinwand. Während ihres Aufenthalts entschied sie sich bewusst für eine Serie auf Papier mit Tusche, Aquarell und Pigmenten.
Die ersten Tage brauchte sie, um den Stadtlärm und den Alltagsstress hinter sich zu lassen. Das Alleinsein empfand sie dabei nicht als einsam, sondern als wohltuend. Nach und nach entstand Raum für die Frage, die sich im Alltag meist nicht stellt: Was möchte ich gerade – arbeiten, lesen oder einfach einmal nichts tun?
Inspiration im Landschaftspark
Sabine ließ sich vom Ort inspirieren und fand ihre Motive vor allem in den stillen, vergessenen Ecken des Landschaftsparks. Menschen tauchen in ihren Bildern nicht auf, wohl aber ihre Spuren: verlassene Stühle, zurückgelassene Gegenstände oder Zeichen vergangener Nutzung.
Solche Motive begleiten ihre Arbeit seit Jahren. Entscheidend ist für sie, dass die Situation authentisch ist. Was arrangiert wurde, interessiert sie nicht, sondern sie möchte ihre Motive selbst entdecken.
Marokkanisches Pigment
Ein Mitbringsel von einer Reise wurde zum zentralen Werkzeug ihrer Eremitage-Woche: marokkanisches Pigment, genannt Majorelle-Blau. Im trockenen Zustand wirkt es unscheinbar erdbraun, erst mit Wasser entfaltet es sein intensives, leuchtendes Blau. Benannt ist die Farbe nach dem französischen Künstler Jacques Majorelle. Für Sabine war die Verwandlung des Pigments eine kleine Entdeckung – passend zu einer Woche, die insgesamt vom genauen Hinsehen geprägt war.
Magische Momente
Der Tagesablauf war einfach: Tee, Yoga im Garten, zeichnen, Mittagspause, weiterzeichnen und am Nachmittag Spaziergänge und Begegnungen im Park.
Besonders in Erinnerung geblieben sind ihr zwei Begegnungen. Zum ersten Mal in ihrem eben sah sie einen Pirol. Fast magisch wirkte außerdem die Begegnung mit weißem Damwild. Das Tier näherte sich ihr ohne Scheu, beinahe als suche es selbst den Kontakt. Für einen Moment wirkte die Situation unwirklich, fast magisch.
Eine Woche ist fast zu kurz
Der Aufenthalt erinnerte Sabine Beyerle an eine frühere Künstlerresidenz, von der sie noch lange danach zehrte. Auch auf dem Rietzer Berg wurde ihr wieder bewusst, wie wertvoll solche Auszeiten sind. Eine Woche, sagt sie, sei eigentlich fast zu kurz – denn oft braucht es einige Tage, um wirklich anzukommen.